(Alle Fotos auf dieser Seite: Alois Müller)
Als richtiges Angebot zur richtigen Zeit und mit dem richtigen Zuschnitt haben die Redner bei der Tagung „Z-Impuls - Zukunft jetzt!“ die Zukunfts-Initiative Handwerk Nordrhein-Westfalen eingestuft. Wirtschaftsministerin Christa Thoben rief dazu auf, die Informations- und Beratungsleistungen als „Unterstützung im Tagesgeschäft“ intensiv zu nutzen. Solche Initiativen würden helfen, die Kernkompetenzen und die Stärken der Betriebe auszubauen, ergänzte der Inhaber des Bekleidungsherstellers Trigema, Wolfgang Grupp.
Mit der Tagung im „Zeughaus“ in Neuss wollte das Projekt noch einmal gezielt auf seinen Service in den Bereichen Außenwirtschaft, Demografischer Wandel und Marketing hinweisen. Der Vorsitzende der LGH, Wolfgang Miehle, erinnerte daran, dass die Zukunfts-Initiative landesweit agiert. Mit mehr als 20 Partnerorganisationen, die über 30 Berater für die Betriebe beschäftigen, sei es ein sehr großes Projekt. Er sei aber überzeugt, dass die zwölf Millionen Euro, die Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union zur Verfügung gestellt haben, gut angelegt seien.

Mit Blick auf das „Zeughaus“, das zunächst Kirche, dann Lager war und jetzt Veranstaltungs-„Location“ ist, meinte Miehle, derartige Brüche „werden im Handwerk und in seinen Betrieben erfreulicherweise nur in den allerseltensten Fällen notwendig. Hier geht es viel öfter um ein „Feintuning“. Die Unternehmen müssen also in Details neu oder besser ausgerichtet werden, um ihren Vorsprung am Markt zu halten oder um ihre Position zu stabilisieren. Und genau dies hat die Zukunfts-Initiative seit nunmehr fünf Monaten auf ihrer Agenda.“ Sie wolle neue Themenfelder erschließen für die Unternehmen. Sie sollen veränderte Marktanforderungen und gewandelte gesellschaftliche Bedürfnisse schneller erkennen und darauf abgestimmte Lösungsstrategien entwickeln können. Zusammen mit der Landesregierung verstehe die LGH das Projekt daher als breit angelegtes Unternehmensentwicklungskonzept.
Ministerin Thoben griff dies auf und nannte als mögliche Themenfelder, den Handwerkskunden ein möglichst langes Leben in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen, mit den Beschäftigten familienfreundliche Arbeitszeiten zu verwirklichen, nicht auf die Kunden zu warten, sondern entsprechend der hohen Qualität der Unternehmen um sie zu werben sowie das „riesige Ansehen“ des Handwerks im Ausland für Geschäfte dort zu nutzen. Die Familienunternehmen, die das Handwerk prägen, würden wirtschaftliche Vernunft und wirtschaftlichen Erfolg ebenso verbinden wie Bodenständigkeit und internationale Ausrichtung. Zudem würden sie ihre gesellschaftspolitische Verantwortung ernst nehmen.
Thoben appellierte in diesem Zusammenhang an die Firmen, noch engeren Kontakt zu Schulen aufzunehmen, um für sich und den Wirtschaftsbereich zu werben und bei den Schülern Neugierde aufs Handwerk zu wecken.

Für den Rückblick, wie er sein Unternehmen „in einer in Deutschland aussterbenden Branche“ ausgerichtet hat und nun mit Erfolg führt, erhielt Wolfgang Grupp viel Beifall der etwa 100 mittelständischen Unternehmer und Handwerksvertreter. Er setzte sich mit klaren Worten ab von anderen Managern, die aus seiner Sicht ihre Pflicht nicht ausreichend erfüllt haben oder sich von Gier und Machthunger treiben ließen. Verantwortungsbewusste und starke Chefs seien aber auch in einem Hochlohnland wie Deutschland in der Lage, für wirtschaftlichen Erfolg und damit für sichere Arbeitsplätze zu sorgen. Globalisierung dürfe keinesfalls gleichgesetzt werden mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Wichtig dafür sei jedoch, statt auf Masse auf Qualität zu setzen, das Können der Mitarbeiter zu fördern und zu fordern sowie den Wandel der Zeit rechtzeitig zu erkennen. Gegenüber seinen 1.200 Beschäftigten achte er auf einen möglichst engen Kontakt, auf gegenseitige Verlässlichkeit und darauf, dass sie wüssten, dass sie für das Unternehmen wichtig sind.

Die Entscheidungsfreude Grupps und die Konzentration von Trigema auf die Kernkompetenzen nannten die SHK-Unternehmerin Tatjana Lanvermann und der Kunstschmied Thomas van der Weyer in einer abschließenden Gesprächsrunde als prägendste Eindrücke der Rede des Gastes aus Baden-Württemberg. Lanvermann gehört zu den ersten Unternehmen, die Beratungsleistungen der Zukunfts-Initiative genutzt haben. Sie habe so Anstöße bekommen für ein besseres Marketing und für mehr Kundenorientierung, erläuterte Tatjana Lanvermann WDR-Moderator Helmut Rehmsen. Ziel sei, neue Geschäftsfelder zu erschließen und innerbetriebliche Strukturen zu verbessern.

Wie wichtig motivierte Chefs und motivierte Mitarbeiter sind schilderten neben van de Weyer auch der SHK-Unternehmer Norbert Schalm und Fleischermeister Lothar Quartier. Van de Weyer bekannte, er bekomme „selbst noch Gänsehaut, wenn ich an manche Projekte von uns denke“. Das wolle er auch von seinem Team: „Die müssen begeistert sein von ihrer Arbeit. Nur so können wir unser Motto einlösen „Das Beste, was Sie bekommen können“.“ Auch Schalm legt Wert darauf, „das Funkeln in den Augen“ der Mitarbeiter zu sehen. Basis dafür sei, sich um die besten (Nachwuchs-) Kräfte auf dem Markt zu bemühen, und ihnen dann das nötige Zugehörigkeitsgefühl, Fortbildung sowie ein Eingehen auf ihre persönlichen Entwicklungsstadien zu geben.

Den engen Kontakt und Austausch mit der Belegschaft hält Lothar Quartier ebenfalls für entscheidend dafür, dass es „Spaß macht, bei uns zu arbeiten“. Das würden auch die Kunden bemerken. Zusammen mit einem guten Produkt führe dies dann dazu, dass auch sie „Spaß haben, bei uns einzukaufen“. Als unterstützende Marketingstrategien nannte Quartier die durchgängige Betonung des Buchstabens Q als Markenzeichen und die regionale Verwurzelung seines Betriebs in Kleve – kenntlich an dem Logo „Made in Kleve“ und am regionalen Einkauf.
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