Am Anfang hatten sie wenig Hoffnung auf Veränderungen, am vorläufigen Ende des Prozesses waren sie überrascht über die Fülle an Verbesserungsvorschlägen und vor allem über die Tatsache, dass viele davon schon aufgegriffen worden sind: Die Mitarbeiter von Elektro Gerhardt (Gelsenkirchen) haben 2010/2011 im Rahmen eines Gesundheitsförderungs-Projektes einen Gesundheitszirkel durchgeführt, der das Unternehmen und das Miteinander grundlegend verändern soll. Begleitet wurde der Zirkel von Ina Steinfurth, Demografieberaterin bei der Handwerkskammer Münster.
Den Auftakt zu der Aktion hatte der Wunsch markiert, die Arbeitsabläufe so umzugestalten, dass körperliche Belastungen verringert werden. Überstrecktes und langes Stehen auf Leitern, Über-Kopf-Arbeit, das Tragen schwerer Lasten und im Büro die Arbeit am PC waren als wichtigste Problemfelder erkannt worden. Christian und Cornelia Gerhardt besprachen diese Ergebnisse zunächst in einem Führungskräfte-Workshop und danach mit ihren 60 Mitarbeitern. Damit deren Anregungen und Vorschläge auch tatsächlich umgesetzt würden, traf sich ein siebenköpfiger Gesundheitszirkel anschließend in einer kurzen Frist sechs Mal und diskutierte über einzelne Belastungsthemen.
Erstes Oberthema waren die Arbeitsabläufe und die Organisation: Angesichts des gestiegenen Abstimmungs- und Dokumentationsaufwands auf den Baustellen und des deswegen empfundenen höheren Zeitdrucks wurde vereinbart, diese Abstimmungszeiten in den Projektkalkulationen stärker zu berücksichtigen. Zudem wurde ein alter Personalraum für Dokumentationsarbeiten „reaktiviert“. Sein Vorteil: Es liegt nahe bei den Büros, sodass der Kontakt zur Projektleitung leichter wird.
Wenn auf den Baustellen die Arbeiten abgeschlossen sind, sollen die Auftraggeber nach ihrer Zufriedenheit befragt und diese Rückmeldungen auch an die Belegschaft weitergegeben werden.
Die Ausstattung mit Maschinen und Werkzeuge bildete einen anderen Problempunkt. Die Zeitnot aufgrund der engen Kalkulation, diese Hilfsmittel jeweils zusammenzustellen, eine mangelnde Organisation im Lager und Versäumnisse bei der Wartung der Geräte wurden als Hemmschuhe genannt. Abhilfe sollen nun die Beauftragung eines für die Werkzeuge Verantwortlichen sowie eine bessere Lagerbewirtschaftung durch die Lehrlinge bringen. Mehr Information und Kommunikation forderte die Gruppe vor allem mit Blick auf die Dienstplanung und die Arbeitseinsätze ein. Hierzu wurde die Wiederaufnahme regelmäßiger Teambesprechungen vereinbart.
Ein Augenmerk richtete der Zirkel darüber hinaus auf die Lage der Gerhardt-Auszubildenden: Sie erhalten einen festen Ansprechpartner und sollen mehr angeleitet werden und die Arbeitsabläufe besser erklärt bekommen.
Zum Oberthema Arbeitsplatzgestaltung/Ergonomie wurden in dem Zirkel Lösungsansätze zur Büroausstattung, zu den Bedingungen auf den Baustellen sowie zu den sanitären Anlagen im Betrieb gesammelt. Ein Teil der Anregungen wurde mittlerweile bereits umgesetzt.
Der Gesundheitszirkel schlug insgesamt vor, seine Ergebnisse in einer Mitarbeiterversammlung vorzustellen. Als Ergänzung regten die Chefs an, die Sitzungsprotokolle für alle zugänglich zu machen. Die Umsetzung der Maßnahmen startete parallel dazu.




