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Westdeutscher Handwerkskammertag
Unternehmerverband Handwerk NRW (LFH) 
Landesvereinigung der Fachverbände des Handwerks Landesregierung Nordrhein-Westfalen Das Handwerk





LAND NRW

Ich will mein Unternehmen voranbringen, will dabei  aber meine Mitarbeiter möglichst intensiv einbeziehen. Ich habe nämlich bemerkt, dass sie viele Ideen haben, wie wir Abläufe verbessern und neue Angebote entwickeln können. Gibt es Methoden, diese Ideen gezielt „herauszukitzeln“?  

Zunächst einmal ist es ein richtiger Gedanke, Ihre Mitarbeiter als Ideengeber zu nutzen. Sie haben direkten Kontakt mit Kunden, sie sehen die Alltagsprobleme unmittelbar und letztendlich müssen sie mögliche Neuerungen ja auch umsetzen. Deswegen sollten Sie im Team gezielt auf Ideenfindung gehen.
Kündigen Sie also einen solchen Termin an und sorgen Sie an dem bewussten Tag für eine angenehme, störungsfreie Atmosphäre. Jeder sollte sich inspiriert fühlen und guter Stimmung sein. Erläutern Sie, worum es Ihnen geht, was Ihre Ziele sind und welchen zeitlichen Rahmen sie setzen. Laden Sie dann alle zunächst zum vollkommen wertfreien „Spinnen“ ein. Denn darum geht es im ersten Schritt eines solchen Brainstormings: Es sollen ohne Zeitdruck möglichst viele Vorschläge zu dem vorgegebenen Thema gemacht werden. Jeder darf seine „Eingebung“ kurz erläutern und alles wird ungefiltert notiert. Je mehr Ideen auf den Tisch kommen, desto besser. Bewertungen, offene und versteckte Kritik (z.B. durch Kopfschütteln) oder sogar das Lächerlichmachen von Vorschlägen sind nicht erlaubt. Allenfalls kann man Ideen von Kollegen weiterentwickeln.
Dieses Stadium des Prozesses heißt in der Disney-Methode, einer nach dem Trickfilmer Walt Disney benannten Kreativitätstechnik, der „Traumraum“ oder der „Spinner-Raum“. Eine Tür weiter ist der „Realitätsraum“. Dort werden die Vorschläge strukturiert, also vor allem zusammengefasst, und bewertet: Was ist (im Moment) Spreu und was Weizen? Welche Ideen sind für uns umsetzbar hinsichtlich Marktfähigkeit, Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit? Welche Schritte müssen dafür gegangen werden? Dabei können neue Vorschläge entstehen, auf jeden Fall jedoch kristallisieren sich die „Favoriten“ heraus. Diese können Sie zu Projekten erheben mit genauen Festlegungen von Verantwortlichkeiten und zeitlichen Vorgaben. Im Moment nicht umsetzbare Anregungen deponieren Sie in einer „Ideenbank“ – zur Wiedervorlage zu einem späteren Zeitpunkt. Anschließend betreten Sie den dritten Disney-Raum, den Kritikraum. Er ist der Ort, an dem der konkrete Plan genauestens auf Schwachstellen untersucht wird: Welche Änderungen sind noch nötig? Was könnte schief gehen? Was muss vermieden werden? Haben Sie das ausreichend diskutiert und wird die Idee von allen akzeptiert, sollten Sie an die Umsetzung gehen – indem Sie Verantwortliche und Zeitrahmen benennen und die Ressourcen zur Verfügung stellen, also zum Beispiel Geld.
Andere Kreativitätstechniken sind das Mind-Mapping oder das rotierende Brainstorming. Beim Mind-Mapping wird ein zentraler Begriff in die Mitte eines großen Blattes geschrieben, etwa „Mehr Erfolg“. Von diesem Begriff aus werden dann Linien („Äste“) zu Unterthemen gezogen, etwa „Mehr Kunden“, „Höhere Wertschöpfung“, „Neue Produkte“ usw. Es folgen die „Zweige“ zu Unter-Unterthemen, bei „Mehr Kunden“ zum Beispiel „50plus-Kunden“, „Migranten“ oder „Mehr Werbung“, „Mehr Pressearbeit“, „Mehr Sponsoring“. Das Bild, das sich dann ergibt, hat den Begriff „Mind-Map“, also Gedanken-Landkarte geprägt.
Das „rotierende Brainstorming“ hat als Besonderheit gegenüber dem „einfachen“ Brainstorming (siehe oben), dass die Teilnehmer nacheinander möglichst spontan Stellung zu verschiedenen Themen oder Fragen nehmen. Dabei gehen Sie in Gruppen beispielsweise von einer Flipchart zur anderen, rotieren also. Angenommen also, Ihre Besprechung gilt der neuen Dienstleistung XY, dann könnten die Fragestellungen lauten „Was haben die Kunden von XY?“, „Was haben wir von XY?“, „Wie verändert XY unsere Marktstellung?“, „Welche Änderungen macht XY intern nötig?“. Man kann nicht nur eigene Beiträge notieren, sondern auch die Ideen der Vorgänger kommentieren. Den Abschluss bildet eine Diskussion der Einträge im Plenum, um ein gemeinsames Handlungskonzept zu entwickeln.
Die von allen akzeptierten Ideen müssen dann zügig umgesetzt werden, um auch auf diese Weise Ihr Team für seinen Einsatz zu belohnen. Stellen Sie anschließend die Ergebnisse Ihren Ziele gegenüber, um notfalls eine Feinjustierung vornehmen zu können.
Vorschläge, die im Moment noch nicht aufgegriffen werden (können), sollten sie auf jeden Fall aufheben und bei einer späteren Runde wieder zur Diskussion stellen.               

STICHWORTE
Ideenfindung, Kreativitätstechniken, Brainstorming, Disney-Methode, Rotierendes Brainstorming, Mind-Mapping