Sie haben also gemerkt, dass der Kampf um die guten Kräfte immer härter wird. Diese Situation ist zum einen auf die rückläufigen Schulabgängerzahlen, zum anderen auf die auf den ersten Blick mangelnde Ausbildungsreife der Bewerber zurückzuführen. Sie müssen sich daher nicht nur aktiver und offensiver um Nachwuchs bemühen, sondern auch unkonventionelle Wege gehen, um sich im Wettbewerb um die Besten zu behaupten. Die Fachleute bei Handwerkskammern und Verbänden helfen Ihnen im Übrigen gerne mit Tipps weiter.
Wann suchen?
Der Zeitfaktor ist bei der Lehrlingssuche von entscheidender Bedeutung. Es ist wichtig, dass Sie sich frühzeitig um qualifizierte Azubis bemühen - frühzeitig in deren „Lebenslauf", aber auch frühzeitig im Jahr.
Frühzeitig im Lebenslauf der künftigen Lehrlinge heißt, dass Sie schon auf sich und die Karrierechancen bei ihnen aufmerksam machen müssen, wenn die jungen Leute noch am Anfang ihrer Überlegungen stehen. Mit „früh im Jahr" ist gemeint, dass es umso günstiger für Sie ist, je früher Sie mit der Nachwuchssuche beginnen. Ihnen ist sicher schon aufgefallen, dass große Firmen und die öffentliche Hand direkt nach dem Start des Ausbildungsjahres ihre Lehrstellen für das nächste Jahr bewerben. Wenn Sie dann bis zum Frühsommer danach warten, sind die besten Bewerber vom Markt. Sie sollten deswegen schon ab dem Herbst aktiv werden, um im August darauf einen optimalen Azubi in Ihrem Team begrüßen zu können.
Wen suchen?
Für wen könnte die Ausbildung bei Ihnen interessant sein? Wen würden Sie gerne ausbilden? Auf welche Fähigkeiten legen Sie besonderen Wert? Überlegen Sie doch einmal, ob Sie bisher vielleicht einen zu eingeschränkten Blickwinkel hatten? Unter Umständen haben Sie nach Hauptschülern Ausschau gehalten, aber Ihre Anforderungen könnten besser von einem Realschüler oder einem Gymnasiasten erfüllt werden. Die Konkurrenz zwischen betrieblicher Lehre und Studium wird sich noch verschärfen. Bieten Sie dennoch Jugendlichen mit Abitur oder einem ähnlichen Abschluss als Alternative nach der theorielastigen Schulzeit die Möglichkeit, „etwas Praktisches zu machen“. Das Gleiche gilt für Studienabbrecher. Auf der anderen Seite sollten Sie auch (auf dem Zeugnis) leistungsschwachen Schülern eine Chance geben. Testen Sie in einem Praktikum die Ausbildungsfähigkeit. Gute Noten sind nicht alles. Soziale Kompetenzen sind im Beruf häufig sogar wichtiger. Vielen Jugendlichen erschließt sich die schulische Theorie erst durch die praktische Anwendung im Berufsalltag. Wenn Sie ihnen eine Perspektive bieten, kann dies eine enorme Motivation sein, um im Betrieb und in der Berufschule gute Leistungen zu erbringen.
Frauen sind in den meisten Handwerksberufen nach wie vor unterrepräsentiert. Gerade ihnen werden bestimmte Kompetenzen nachgesagt, die vielen männlichen Jugendlichen fehlen. Bedenken Sie zudem, dass für Frauen keine getrennten Umkleide-, Wasch- oder Toilettenräume mehr erforderlich sind. Es genügt eine klare organisatorische Regelung für die getrennte Nutzung der sanitären Einrichtungen.
Auch sollten Sie das Potenzial von jungen Leuten mit Migrationshintergrund nicht vernachlässigen. Einige der bei Ihnen wichtigen „Soft-Skills“ können möglicherweise gerade von diesen Jugendlichen erfüllt werden, etwa dank ihrer Erfahrungen in verschiedenen Kulturen oder ihrer Zweisprachigkeit.
Eventuell können Sie auch mit dem Angebot einer Ausbildung in Teilzeit oder einer Unterstützung bei der Kinderbetreuung „punkten“.
Wie suchen?
Wenn Sie für sich geklärt haben, für wen Ihre Ausbildung interessant sein könnte, sollten Sie gezielt auf die Suche gehen und sich dabei auch nicht vor unkonventionellen Wegen scheuen. Das Naheliegendste ist, die eigenen Mitarbeiter zu fragen. Über deren privates Netzwerk können Sie Lehrstellensuchende in Erfahrung bringen. Ihre zufriedenen Mitarbeiter können diese sicher sehr gut von Ihrem Betrieb überzeugen.
Halten Sie permanent Kontakt zu Schulen und nutzen Sie dort Berufsinformationsveranstaltungen, Berufserkundungskurse und ähnliches, um sich zu präsentieren. Nehmen Sie einen Ihrer Azubis mit. Er kann Gleichaltrigen oft besser vermitteln, warum die Lehre in Ihrem Betrieb empfehlenswert ist. Sie wiederum lernen junge Leute kennen und können deren Interesse und Eignung erkunden.
Bewährt haben sich auch Betriebsbesichtigungen. Hier sollten Sie kleine Gruppen von Schülern einladen, die Ihrem Gewerk gegenüber aufgeschlossen sind. Vereinbaren Sie mit den Schulleitungen die Termine. Gerade mit solchen Besichtigungen können Sie gar nicht früh genug beginnen: Viele Unternehmen bieten sie bereits mit Erfolg für Kindergartenkinder an, um so für ihren Beruf und sich selbst zu werben.
Für Ihren Beruf und Ihren Betrieb können Sie darüber hinaus bei einem Tag der offenen Tür in Ihrem Unternehmen, auf Ausbildungsmessen, Stadtfesten und bei allen anderen Gelegenheiten in Ihrer Region werben. Viele Jugendliche sind im Internet unterwegs. Werben Sie für sich auch dort (z.B. unter www.lehrstellen.org) und nutzen Sie insbesondere regionale Jugendmedien usw. Weitere „Orte“, wo junge Leute anzutreffen sind, sind Sport- und Fitnesseinrichtungen, Musikveranstaltungen, Jugendzentren, Diskotheken und andere Szenelokale, Kinos, Lokalradio, entsprechende Aktionen der Wirtschaftsorganisationen oder der Medien (z.B. im Rahmen der WDR-Lehrstellenaktion oder in Ausbildungsbeilagen der Lokalpresse), Vereine, ...
Wenn Sie auf den klassischen Weg setzen, also Aushänge platzieren oder Stellenanzeigen aufgeben, denken Sie daran, sich jugendgemäß darzustellen, also nicht zu trocken oder gar - aus der Sicht der jungen Leute - langweilig, aber auch nicht anbiedernd. Witzige, leicht provozierende Aussagen und eine außergewöhnliche Aufmachung helfen, auf Sie aufmerksam zu werden. Eine gute „Vorlage“ liefern Ihnen im Moment die Imagekampagne des ZDH und entsprechende Aktionen von Fachverbänden und Kammern.
Haben Sie durch solche Aktivitäten Interessenten gefunden, können Sie ihnen Ferienjobs oder ein Praktikum anbieten. Das ist für beide Seiten die Gelegenheit, sich und die Anforderungen unter Praxisbedingungen kennen zu lernen. Ihre Praktikumsplätze können Sie darüber hinaus in Börsen bekannt geben, die die Handwerkskammern oder andere Organisationen anbieten.
Wie Sie sich insgesamt als attraktiver Arbeitgeber herausstellen können, lesen Sie hier.
STICHWORTELehrlingssuche




